Queeres Kino in Frankfurt
und dem
Tipp der Redaktion
Mauern aus Sand

Der Teenager Marco glaubt, seinen Weg gefunden zu haben: In der Schule wird er als Sportler gefeiert, mit seiner Freundin führt er eine stabile Beziehung, in der Werkstatt seines Vaters wartet ein guter Job auf ihn. Er ist einer, den alle mögen – und als es darum geht, sein kroatisches Heimatdorf vor einer Flut zu schützen, stapelt er Sandsäcke, wie alle anderen auch. Doch dann taucht ein vergessen geglaubter Freund aus der Vergangenheit auf und weckt Gefühle, die Markos sorgsam zusammengebautes Selbstbild in Frage stellen – und das Selbstverständnis der konservativen Dorfgemeinschaft gleich mit.
„Mauern aus Sand“ ist eine melancholisch erzählte Geschichte über das Erwachsenwerden und den aussichtslosen Versuch, der Mensch zu sein, den andere in einem zu sehen glauben. Behutsam und frei von Sentimentalität inszeniert Regisseurin ?ejen ?erni? ?anak die Liebe als Naturgewalt, die sich ihren Weg bahnt – so viele Dämme auch aufgeschüttet werden. Ein aufregendes, dabei ganz unaufdringliches Stück junges queeres Kino, zeitlos schön.
wann: Mittwoch, 13.05. um 20:15 Uhr (kroatische Originalfassung mit deutschen Untertiteln)
wo: Mal Seh’n Kino | Adlerflychtstraße 6 | 60318 Frankfurt am Main
(Programmvorschau unter Vorbehalt)
Tipp der Redaktion
Die sexuelle Provokation
Magnus Hirschfeld und die Geschlechter

Bereits vor mehr als einem Jahrhundert gab es Menschen, die ihr Geschlecht angleichen ließen und sich für ihre Rechte einsetzten – lange bevor der Begriff „Transgender“ allgemein bekannt wurde. Eine Schlüsselfigur dieser frühen Bewegung war der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, der sich für die rechtliche Anerkennung queerer Identitäten einsetzte.
Wer sich heute mit der Diskussion über Transgeschlechtlichkeit beschäftigt, könnte meinen, es handle sich um ein modernes Thema. Doch bereits vor mehr als einem Jahrhundert gab es Menschen, die ihr Geschlecht angleichen ließen und sich für ihre Rechte einsetzten – lange bevor der Begriff ʺTransgenderʺ allgemein bekannt wurde. Eine Schlüsselfigur dieser frühen Bewegung war der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld. Im Jahr 1919 rief er in Berlin das erste Institut für Sexualforschung ins Leben.
Wer war Magnus Hirschfeld?
Hirschfeld kämpfte für die rechtliche Anerkennung queerer Identitäten und war damit seiner Zeit weit voraus. Erst seit Ende 2024 erlaubt das deutsche Selbstbestimmungsgesetz, dass Menschen selbst über Vornamen und Geschlechtseintrag entscheiden. Doch das Gesetz entfacht eine hitzige Debatte: Wer definiert das Geschlecht?
Schon vor 100 Jahren stehen queere Menschen im Zentrum eines Kulturkampfs. Hirschfelds Einsatz für Vielfalt und Entkriminalisierung macht ihn selbst zur Zielscheibe. 1920 wird er nach einem Vortrag niedergeschlagen und für tot erklärt – er überlebt jedoch und arbeitet weiter, bis die Nationalsozialisten an Macht gewinnen. Sie plündern und verwüsten sein Institut, Hirschfeld flieht ins Exil. Es ist das Ende des liberalistischen Geistes der Weimarer Zeit und der Beginn grausamster Verfolgung queerer Menschen.
In der Dokumentation ʺDie sexuelle Provokation – Magnus Hirschfeld und die Geschlechterʺ ergründet der Regisseur Miguel Kaluza die Geschichte des Sexualpioniers und fragt: Warum provoziert Vielfalt bis heute? Droht ein neuer Backlash?
arte mediathek | bis 01.2029
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Bildernachweis: QueerFilmNacht und arte
(erstellt Januar 2023 / letztes Seitenlayout: 09.08.2025 / wird monatlich aktualisiert)

